Eimsbüttel als „Sommerfrische“

29.04.21

Was ist Eimsbüttel? Wo ist Eimsbüttel? Und warum sieht Eimsbüttel heute so aus, wie es aussieht? Diesen und anderen Fragen wollen wir uns in einer kleinen Reihe von Texten und Bildern widmen. Unser "Tourguide" Hans zeigt uns in vier Kapiteln unbekannte Seiten unseres Stadtteils Eimsbüttel und erklärt uns, was Fritz Schumacher mit den heutigen Eimsbüttler Grünanlagen zu tun hat. Texte und Fotos findet ihr auf unser Website, begleitend dazu gibt es auf unseren Online-Kanälen zeitnah kleine Videos. Wir beginnen mit dem Kapitel "Eimsbüttel als Sommerfrische".

Eimsbüttel als „Sommerfrische“

Schon seit Ende des 18. Jahrhunderts und dann verstärkt zur Mitte des 19. Jahrhunderts zog es wohlhabende Hamburger Kaufleute ins ländliche Idyll. Lutteroth, Tornquist, Lappenberg, Sillem, Alardus, Fett und Doormann kauften Ländereien in Eimsbüttel, und manche bauten sich dort Landhäuser. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwarben auch Bodenspekulanten Eimsbüttler Flächen, zogen Straßen hindurch, benannten diese gern nach ihren Familienangehörigen (z. B. Henriette und Emilie Tornquist, Margarethe Fett) und parzellierten Grundstücke zum Verkauf. Denn in der inneren Stadt, innerhalb des heutigen Rings 1, wurde es eng, bis 1860 galt nachts die Torsperre. Eimsbüttel wurde „Bauerwartungsland“. Die erste urbane Bebauung waren die Stadtreihenvillen auf anderthalb Etagen, wie sie z. B. in der Tornquiststraße zu sehen sind. Die Stadt wuchs über die Eimsbüttler Chaussee erst langsam an das Dorf heran.


Auch in der Literatur ist diese Entwicklung verewigt: Toni Buddenbrooks, Tochter der angesehenen Kaufmannsfamilie aus Lübeck, wird aus finanziellen Gründen genötigt, Herrn Grünlich aus Hamburg zu heiraten. Schließlich willigt sie ein und freut sich auf die Großstadt Hamburg, ist dann aber enttäuscht, weil sie im langweilig ländlichen Eimsbüttel landet. Auch der Weinhändler Wehber lässt sich eine Villa bauen, die Weide dahinter ist für die Kutschpferde. Von seinem Sohn 1882 im Neo-Renaissance-Stil umgebaut, steht das Haus heute noch neben der U-Bahn-Station Emilienstraße. Schon seit den 1920er Jahren dient die Villa als städtische Kindertagesstätte, aus der Pferdeweide wurde der Wehberspark, ein Teil des Eimsbüttler Grünzugs, der sich vom Kaiser-Friedrich-Ufer über die Christuskirche und weiter über den Wehberspark und die Tornquiststraße bis zum Unna-Park zieht.

 

Solche zusammenhängenden Grünzüge waren ein Anliegen des für Hamburg prägenden Oberbaudirektors Fritz Schumacher, um in dicht besiedelten Stadtteilen den Bewohnern Zugang zu frischer Luft und Grünflächen zu ermöglichen. Unterteilt in verschiedene Bereiche für kleine Kinder mit Planschbecken, einem mit Hecken geschützten “Alte-Leute-Garten“ (seit 2006 Rosa-Luxemburg-Garten) und Liegewiesen für Erwachsene und Jugendliche verwirklichte Schumacher hier die Idee des Volksparks: Nutzung der Grünflächen zur Erholung statt nur zum Angucken von Blumenbeeten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Park am Doormannsweg für die „autogerechte Stadt“ durchschnitten. Hier entstand mit dem Hamburg-Haus (1965) ein Stadtteilzentrum.