BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

GRÜNE Eimsbüttel

Michel Abdollahi im Gespräch

Ein Abend, der nachhallt

02.04.26 – von von Ruth Brovtchenko –

 

Manchmal geht man zu einer Veranstaltung und denkt, man weiß ungefähr, was einen erwartet: Gute Gespräche, interessante Gäste, nette Atmosphäre. Und dann sitzt man hinterher da und grübelt noch.

So ging es mir letzten Mittwoch im Café Lenz. Im Rahmen unserer Speakers'-Corner-Reihe und den Internationalen Wochen gegen Rassismus durfte ich Michel Abdollahi interviewen – Journalist, Autor, Dokumentarfilmer, die Liste ist lang. Es war ein beeindruckendes Gespräch, wobei es das Wort nicht ganz trifft: Es war eher ein gemeinsames Nachdenken vor Publikum.

Wir haben viel besprochen. Den Rechtsruck, die AfD, die Frage, ob Vergleiche zwischen Iran und Deutschland wirklich weiterhelfen (so pauschal meistens nicht). Und ob es hilft, als Partei thematisch nach rechts zu rücken, um der AfD das Wasser abzugraben. Michels Antwort dazu: Nein. Wir haben auch darüber gesprochen, ob Eimsbüttel wirklich so weltoffen ist, wie wir uns das manchmal gerne erzählen und auch glauben möchten – und warum eine teilweise zu bequeme Gesellschaft sich diese Frage zu selten stellt.

Besonders hängen geblieben ist mir seine Haltung zum Dialog mit Rechtsextremen. Michel hat für eine NDR-Dokumentation wochenlang in einem sogenannten „Nazidorf" gelebt und dort hingehört, ohne wegzuschauen. Zudem hat er auch erzählt, dass ihn selbst Alltagsrassismus inzwischen weniger mitnimmt als früher – nicht weil er unwichtig wäre, sondern weil die größeren strukturellen Dimensionen so viel drängender sind. Das fand ich ehrlich gesagt ein wenig ernüchternd und gleichzeitig persönlich nachvollziehbar.

Und dann gab es noch einen Exkurs in die Welt der KI: Michel sprach ganz praktisch darüber, wie man KI für sich nutzen kann, sowohl als Partei, aber auch ganz persönlich. Ein praktisches Beispiel hat er allen Zuhörenden ans Herz gelegt, die ich hier gerne teilen möchte: Nutzt eine KI, um euch eine „Morning Routine" erstellen zu lassen, die euch 30 Tage lang täglich kleine Impulse gibt, um euch fundierter mit Diskriminierung und Rechtsextremismus auseinanderzusetzen. Für mich war das ein sehr guter Tipp für ein erstes konkretes Handeln, den sicherlich einige im Raum mitnehmen konnten.

Was trotz allem bleibt: Hoffnung. Nicht die naive Sorte, aber eine, für die man sich entscheidet. Das war spürbar an diesem Abend – im Raum, im Publikum und bei Michel selbst.

Wer noch tiefer einsteigen möchte: Ich empfehle gerne an dieser Stelle Michels aktuelles Buch Es ist unser Land – wir dürfen Deutschland nicht den Rechten überlassen.

Das Café Lenz war ein toller Rahmen für diese Veranstaltung, ein großes Dankeschön an alle Organisator*innen!
Wir kommen gerne wieder.

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