
05.02.26 –
Der Januar hat uns beileibe mehr als genug krasse weltpolitische Themen beschert, und ich befürchte, dass 2026 weiterhin ein „interessantes“ Jahr bleiben wird. Vor diesem Gesamtbild nimmt sich die von der Mittelstands-Union ausgelöste Debatte über das Recht auf „unbegründete“ Teilzeit aus wie ein weiterer nostalgischer Rückschritt in eine verklärte Vergangenheit, die vielleicht nur von sehr privilegierten Protagonist*innen als eine bessere erscheint.
In den letzten Tagen wurde dazu von datenbasierter Argumentation bis zur satirisch-polemischen Überzeichnung bereits fast alles gesagt. Bei allem Augenrollen über diese erneut ziemlich lebensferne Ansage aus Teilen der CDU ist es gut, dass diese Debatte nun öffentlich geführt wird. Aus feministischer Sicht ist es zu begrüßen, dass breiter über die noch immer nicht ausreichend guten Bedingungen für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt diskutiert wird.
Die Abschaffung des Rechts auf Teilzeit wird das Problem des Fachkräftemangels nicht lösen – wer so argumentiert, blendet aus, dass Care-Arbeit, Alleinerziehen und Pflege von Angehörigen immer noch überwiegend von Frauen getragen werden. Ohne starkes Teilzeitrecht stiege das Risiko, dass Frauen ganz aus dem Erwerbsleben gedrängt werden – mit negativen Folgen für ihre ökonomische Unabhängigkeit: Lohnlücke, Rente und damit einhergehend ungleiche Machtverhältnisse.
Wir brauchen Reformen bei Ehegattensplitting und Begrenzung von Minijobs – wie von DIW und OECD gefordert – sowie verlässliche, weil personell gut ausgestattete Kinderbetreuung (… mit möglichst vielen in Teilzeit arbeitenden Mitarbeitenden, um breite Betreuungszeiten zu gewährleisten). Die Arbeitsbedingungen vor allem auch in sozialen und pflegerischen Berufen müssen sich ebenfalls deutlich verbessern. Nicht das Recht auf Teilzeit setzt also die falschen Anreize, sondern ein Steuersystem, das das Modell „er Vollzeit, sie Minijob“ belohnt.
Wir setzen uns neben dem klaren Bekenntnis zum individuellen Recht auf Arbeitszeitgestaltung für eine gleichstellungsorientierte Steuerpolitik und starke Tarifbindung ein. Ökonomische Eigenständigkeit für Frauen und gute, gesunderhaltende Arbeit in allen Lebensphasen muss ermöglicht werden. Eine Möglichkeit, dafür laut zu werden, bieten Aktionen rund um den Frauenstreik am 9. März.
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