
06.11.25 –
Milch gibt es längst aus Hafer, muss aber Haferdrink heißen. Nun ist der „Burger“ aus Erbsenprotein dran und soll sich einen neuen Namen suchen.
Denn das Europaparlament hat abgestimmt: Vegetarische Produkte sollen keine Namen wie „Schnitzel“ oder „Wurst“ mehr tragen dürfen. Warum? Offenbar, um die armen, verwirrten Verbraucher:innen zu schützen, die angeblich nicht wissen, dass in einer Sojawurst kein Schwein steckt.
Niemand kauft eine vegane Bratwurst und denkt: „Oh, die arme Sau!“ Die Leute wissen, was sie essen. Die Lebensmittel sind mit dem Symbol "vegan" oder "vegetarisch" gekennzeichnet. Das sollte nicht nur für Meisterdetektive ein eindeutiger Hinweis sein.
Jetzt, wo pflanzliche Produkte Erfolg haben, kämpft die Fleischlobby für ihre alten Privilegien, indem sie sich angeblich um Verbrauchertäuschung sorgt. Man könnte ihr auch mit einem Augenzwinkern entgegenhalten "Der Markt regelt das schon". Aber es ist wie so oft: Wenn Verbraucher:innen mit ihrer Marktmacht zu Verschiebungen beitragen, heulen als erstes die Konservativen und Besitzstandswahrer.
Was hier passiert, ist kein Verbraucherschutz, sondern Lobbyarbeit und Kulturkampf auf dem Teller. Die Fleischindustrie verteidigt ihre Begriffe, als gäbe es ein Menschenrecht auf Schweinehack und das Recht am Profit damit.
Das Parlament hat Wichtigeres zu tun. Tierhaltung, Klima- und Artenschutz, Ernährungssicherheit- das sind Hebel für guten Verbraucher:innenschutz. Debatten um Begriffe sollen die großen Herausforderungen dieser Zeit und die Veränderungsnotwendigkeit verklären.
Ich sage: Wenn der Tofu der Wurst Konkurrenz macht, dann liegt das nicht am Namen. Sondern daran, dass Menschen Verantwortung übernehmen – für ihre Gesundheit, für Tiere, fürs Klima. Denn viele wissen inzwischen, dass ein Rind 6-10 kg pflanzliches Protein essen muss um 1 kg tierisches Protein zu liefern. Fleisch ist beim Protein so verschwenderisch wie der Verbrenner beim Sprit. Pflanzen direkt essen wirkt wie der Umstieg aufs Elektroauto - gleiche Energie viel mehr nutzen.
Beim Essen ist es wie beim Gendern: Die Welt verändert sich und das lässt sich nicht verbieten. Wir dürfen gespannt sein, wie es nun weitergeht. Denn auch die 27 EU-Staaten müssen zustimmen, damit das Vorhaben in Kraft treten kann. Die deutsche Bundesregierung hat bisher öffentlich keine Position zu dem Parlamentsbeschluss bezogen. Ich bin gespannt ob sich Söders Fleischfetisch durchsetzt oder die Vernunft.
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