Bauboom in der Gründerzeit

27.05.21

Was ist Eimsbüttel? Wo ist Eimsbüttel? Und warum sieht Eimsbüttel heute so aus, wie es aussieht? Diesen und anderen Fragen widmen wir uns in einer kleinen Reihe von Texten und Bildern. Unser "Tourguide" Hans zeigt uns in vier Kapiteln unbekannte Seiten unseres Stadtteils Eimsbüttel und erklärt uns im zweiten Teil u.a. das Zusammenspiel von Souterrain und Hochparterre.


Teil 2: Bauboom in der Gründerzeit

Eimsbüttel wuchs in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg von 500 auf mehr als 120.000 Einwohner. Die Grenze zum dänischen Holstein, dann zu Preußen, lässt sich heute noch gut an der Art der Bebauung und auf Stadtplänen aus den 1920er Jahren ablesen. Die Kieler Straße lag auf dänisch-holsteinischem, ab 1866 auf preußischem Gebiet. Im Westen und Norden grenzte das dicht bebaute Eimsbüttel unmittelbar an Wiesen und Felder. Es entstanden vierstöckige Mietshäuser, Hinterhöfe und Terrassen-Hinterhäuser. Die Treppenhäuser lagen meist innen, WC und Bäder wurden gern dorthin entlüftet.

Nach der Colera-Epidemie von 1892/93 wurde im Baurecht festgeschrieben, dass alle Räume ein Fenster nach außen haben mussten. Der Abstand zur nächsten Hauswand musste mindestens vier Meter betragen. Um das Grundstück möglichst auszunutzen, wurden die Hintergebäude tief ins Grundstück gebaut, den vorgeschriebenen Abstand, den Luftraum bis zur nächsten Hauswand, teilten sich die Grundstücksbesitzer. So entstanden vor dem Ersten Weltkrieg die für Hamburg typischen kammartigen „Schlitzbauten“.

Unten in den Häusern befanden und befinden sich häufig kleine Läden, zu denen es ein paar Stufen hinunter geht. Dadurch wurden dieser Räume zum Souterrain erklärt, die Wohnung darüber zum Hochparterre, so dass insgesamt höher gebaut werden durfte. Die repräsentativen Wohnräume befanden sich immer zur Straße, egal, ob dort die Sonne schien oder nicht. Gesunde Wohnverhältnisse mit Licht, Luft und Grün zwischen den Häusern waren eher die Ausnahme. Ein Beispiel für dunkle, feuchte Wohnverhältnisse ist der Hinterhof in der Fruchtallee 110 – 11.6

Seit den 1920er Jahren versuchte Fritz Schumacher, von 1909 bis 1933 Hamburger Oberbaudirektor, Baukonzepte für gesünderes Wohnen durchzusetzen. Ein Beispiel dafür sind die Rotklinker-Häuser an der Fruchtallee 120 bis 134, die Luft und Licht zulassen und sich zum Grünzug mit den Sportplätzen an der Tornquiststraße öffnen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der süd-westliche Teil Eimsbüttels von der Lutterothstraße bis zum Holstenbahnhof weitgehend zerstört.

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2021 Kerngebiet Wohnungsbau