„Mehrsprachigkeit als Chance für Hamburgs Schulen“ - Ein Rückblick

29.04.24 –

Vor einigen Wochen hatte die GRÜNE Bürgerschaftsabgeordenete Sina Koriath zu einer Veranstaltung zum Thema "Mehrsprachigkeit als Chance für Hamburgs Schulen" eingeladen. Hier ein Rückblick.  

Ein Treffen im Herbst 2023 mit Kerstin Wiskemann, Gründerin des Vereins coach@school und Initiatorin des mehrsprachigen Bücherkoffers, gab den ersten Anstoß; letzten Monat war es dann endlich soweit: Fünf Expertinnen diskutierten auf Einladung des Ressorts für außerschulische Bildung, Wissenschaft und Hochschule im Hamburger Rathaus das Thema Mehrsprachigkeit an Hamburgs Schulen. In einem vollen Kaisersaal teilten die Podiumsteilnehmerinnen ihre Perspektive auf das Thema und stellten sich den Fragen der über 70 Teilnehmenden.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Olga Grjasnowa. In ihrer Keynote brachte die Autorin viele Widersprüchlichkeiten und Absurditäten rund um die Migrations- und Mehrsprachigkeitsdebatte auf den Punkt: 

"Es gibt weltweit 7000 Sprachen und nur 195 Staaten - Mehrsprachigkeit ist also der Normalzustand, die Ausnahme ist die Einsprachigkeit!"

Auch wenn weltweit betrachtet Monolingualität zur Ausnahme gehört, wird die eine deutsche Sprache in Deutschland als Grundpfeiler der Gesellschaft betrachtet. Die deutsche Sprache wird zum Teil der sogenannten „Leitkultur“. Wenn im deutschsprachigen Raum über Mehrsprachigkeit geredet wird, existiere eine "Hierarchisierung der Sprachen. Es gibt die guten und die falschen Sprachen, genauso wie es die Migrant*innen und die Expats gibt." 

In einer immer komplexer werdenden Welt werden Gesellschaften immer diverser. In vielen globalen Zusammenhängen wird mittlerweile in mehreren Sprachen kommuniziert - und das in allen gesellschaftlichen Schichten. Trotzdem hierarchisieren wir Sprachen und konstruieren so Unterschiede und sorgen für Ausgrenzung. Die Notwendigkeit für Strukturen und Ansätze, die unserer aktuellen Realität gerecht werden und auf Schul-und Unterrichtsebene Mehrsprachigkeit fördern, ist groß. 

Wie genau die Situation an Hamburgs Schulen aktuell aussieht und was in unbedingt Zukunft getan werden muss, haben deshalb Olga Grjasnowa (Schriftstellerin und Keynote Speakerin), Kerstin Wiskemann (Verein coach@school), Prof. Dr. Ursula Neumann (emeritierte Professorin, Uni Hamburg), Ayten Teke (Abteilungsleiterin und Förderkoordinatorin, Schule-Wielandstraße) und Silvana Safouane (Sprachförderung und Herkunftssprachenunterricht, Behörde für Schule und Berufsbildung) auf dem Podium diskutiert. Alle teilten Eindrücke aus der Praxis und berichteten über Fortschritte und Best Practice-Beispiele, zeigten aber auch ganz klar auf, wo es noch hakt und in welchen Bereichen noch viel getan werden muss.

 

Hamburg ist mit dem Herkunftssprachenunterricht und dem Förderprogramm D23 mit dem KESS-Faktor als Basis bereits gut aufgestellt. Darüber hinaus steht das bundesweite Projekt "Startchancen" in den Startlöchern. Dennoch gibt es weiterhin viel zu tun: von der Lehrer*innenbildung, der Förderung von ausländischem Lehrpersonal, einer vertieften Elterneinbeziehung bis hin zur Ausgestaltung von Lehrmaterialien. 

Auch die Fragen aus dem Publikum zeigten, wie emotional das Thema und wie groß der Handlungsbedarf ist. So zeigten beispielsweise die Erfahrungen, dass es an Hamburg Schulen große Unterschiede im Umgang mit mehrsprachigen Kindern gibt. Auch die geringe Anzahl an Sprachen, die im Herkunftssprachenunterricht gelehrt werden, wurde kritisiert. Aktuell werden zwölf Sprachen angeboten, 6.000 Schüler*innen nehmen hamburgweit daran teil. Kritisiert 

wurde zudem, dass Kinder mit großem Selbstwertgefühl Angebote besser annehmen können, wohingegen Kinder, die sich minderwertig fühlen, von Bildungsangeboten meist nicht erreicht werden. 

Das Angebot des Herkunftssprachenunterrichts auszuweiten und bekannter zu machen, Bildungsangebote niedrigschwelliger zu organisieren und die Lehrer*innenausbildung in Sprachentwicklung als Kompetenz zu erreichen sind wichtige Impulse für die weitere politische Arbeit. 

Zum Hintergrund der Veranstaltung:
Immer wieder nimmt Sprache Raum ein in der Migrationsdebatte –meist zum Nachteil von Migrant*innen. Das Vorurteil, dass Mehrsprachigkeit der Entwicklung schadet, ist wissenschaftlich längst überholt, hält sich aber in der gesellschaftlichen Debatte wacker. So hat Anfang 2023 bspw. der CDU-Generalsekretär Mario Czaja in einem Welt-Interview gefordert,Schulkindern sollte verboten werden, sich im schulischen Umfeld in ihrer Muttersprache zu unterhalten. Generell durfte kein Kind ohne Deutschkenntnisse eingeschult werden, soCzajas Forderung weiter. 

Mittlerweile ist unstrittig, dass eine mehrsprachigeSozialisation zunächst kein Hindernis für eine gelungene Kommunikationsfähigkeit, fürBildung und soziale Integration darstellt. Mehrsprachigkeit wird deshalb inzwischen invielen Familien, aber auch in Institutionen wie Kindergärten und Schulen bewusst gelebt.

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