Mitten im modernen jüdischen Leben - Eine Stadtführung in Hamburg

Seit 1.700 Jahren gibt es jüdisches Leben in Deutschland. Doch wie sieht eigentlich heute jüdisches Leben in Hamburg aus? Michael Gwosdz, unser religionspolitischer Sprecher, lud am 9. April zu einer Stadtführung mit Siri Keil und Lior Oren ein, die einen Einblick in die moderne jüdische Alltagskultur in Hamburg gab. Die Führung hatte drei Orte zum Ziel. Erste Station war der ehemalige jüdische Tempel in der Poolstraße.

Seit 1.700 Jahren gibt es jüdisches Leben in Deutschland. Doch wie sieht eigentlich heute jüdisches Leben in Hamburg aus? Michael Gwosdz, unser religionspolitischer Sprecher, lud am 9. April zu einer Stadtführung mit Siri Keil und Lior Oren ein, die einen Einblick in die moderne jüdische Alltagskultur in Hamburg gab. Die Führung hatte drei Orte zum Ziel.
Erste Station war der ehemalige jüdische Tempel in der Poolstraße.
 
Dieser war der erste Tempel der liberal-jüdischen Gemeinde in Hamburg und gilt als Keimzelle des modernen liberalen Judentums weltweit. Vom einst großen Tempel, der 1842 erbaut wurde, sind heute nur noch Teile der westlichen Vorhalle und des östlichen Apsisgebäude erhalten. Das restliche Gebäude hat eine Bombe im 2. Weltkrieg zerstört.

Seit 2020 ist der Tempel im Besitz der Stadt Hamburg. Gleichzeitig startete  die Initiative „Tempel Poolstraße“, um die Ruine zu einem lebendigen und offenen Ort der Begegnung und Hoffnung entstehen zu lassen. „Jeder ist willkommen, sich mit Ideen an der Zukunft des Tempels in der Poolstraße zu beteiligen“, sagte Lior Oren.

Der jüdischen Laden „Mio Gio“ am Gänsemarkt war die zweite Station der Stadtführung. Das Mio Gio bietet koschere Lebensmittel, Kosmetik und Gegenstände für den jüdischen Alltag an. Besonders daran ist, dass das Mio Gio das einzige Geschäft in ganz Hamburg ist, welches koschere Lebensmittel führt (mit Ausnahme eines Edeka-Regals im Grindelviertel). Der Gründer der Marke „Mio Gio“, Giorgio Paolo Mastropaolo, erklärte manches über den jüdischen Alltag, beispielsweise, was denn überhaupt „koscher“ ist. Eine Ladenerkundung lohnt sich und Giorgio Paolo Mastropaolo betonte, dass er sich über jeden neugierigen Besucher freue, der mehr über das jüdische Alltagsleben erfahren möchte.

Zu guter Letzt ging es ins Grindelviertel, das ehemalige Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg. Im Café „Wechsel Dich“ bot sich Zeit für einen gemeinsamen Austausch. Mit eingeladen waren Barbara Guggenheim vom Jüdischen Salon und Shlomo Almagor, der Gründer von Tel Aviv Air GmbH. Barbara Guggenheim konzipiert und organisiert Autoren- und Filmveranstaltungen im Jüdischen Salon. Dieser wurde 2008 eröffnet und ist ein Ort der jüdischen Begegnung, in dem jüdische Kultur und Tradition erfahrbar ist.
 
Viele Veranstaltungen des Salons finden im Café Leonar am Grindel statt, das ein wichtiger Kulturort für jüdisches Leben ist. Der Unternehmer Shlomo Almagor berichtete von seiner Fluglinie Tel Aviv Air, die wöchentlich zwei Direktflüge zwischen Hamburg und Tel Aviv anbietet. Mit seiner Arbeit möchte er die Brücke zwischen Israel und Hamburg stärken. Durch die gemeinsame Vergangenheit sollte zwischen den beiden Ländern eine intensivere Verbindung und mehr Austausch stattfinden, findet Shlomo Almagor.

Auf Michael Gwosdz' Frage „Was wünschen Sie sich in Hamburg für ein modernes jüdisches Leben?“ gab es große Einigkeit: mehr jüdische Kulturorte und Begegnungsmöglichkeiten, wie jüdische Restaurants, Theater und Bars täten der Stadt gut. Kurz: mehr Möglichkeiten der Begegnung, für Gespräche und Austausch über jüdisches Leben in Deutschland und seine jahrhundertlange Geschichte.
 
Text: Leonie Scholl, Foto. Henning Angerer

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