„...das ist doch Kurkuma, oder?“ Ein Besuch bei der Ausgabestelle der Tafel e. V. in Schnelsen

Lebensmittel retten, Mitmenschen unterstützen und Freundschaften knüpfen: In der Ausgabestelle der Tafel Norderstedt e. V. im Freizeitzentrum Schnelsen kommen diese drei Aspekte ganz selbstverständlich zusammen. Gemeinsam mit Ananda Rupasinghe, Vorstandmitglied im GRÜNEN Kreisverband Eimsbüttel, unternehmen wir einen Rundgang und lernen vor allem die Menschen hinter der Lebensmittelverteilung kennen.

06.04.22 –

Lebensmittel retten, Mitmenschen unterstützen und Freundschaften knüpfen: In der Ausgabestelle der Tafel Norderstedt e. V. im Freizeitzentrum Schnelsen kommen diese drei Aspekte ganz selbstverständlich zusammen. Gemeinsam mit Ananda Rupasinghe, Vorstandmitglied im GRÜNEN Kreisverband Eimsbüttel, unternehmen wir einen Rundgang und lernen vor allem die Menschen hinter der Lebensmittelverteilung kennen.

Als Sabine Streit von ihrem ehrenamtlichen Engagement bei der Norderstedter Tafel berichtet, fangen ihre Augen an zu glänzen. Seit Gründung der Ausgabestelle im Freizeitzentrum Schnelsen vor rund sieben Jahren gibt die pensionierte Lehrerin einmal pro Woche gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen gespendete Lebensmittel aus. Dabei leiste man nicht nur einen Beitrag für die Allgemeinheit, sondern lerne immer wieder etwas dazu, berichtet sie grinsend: "Es kommt auch mal vor, dass wir gemeinsam über die Bezeichnungen von Gemüse- oder Obstsorten rätseln."

Und wie aufs Stichwort erklingt etwa zwei Meter entfernt die Stimme von dem jüngsten Ehrenamtlichen der Ausgabestelle, der sich fragend an eine Kollegin wendet: "Das hier ist doch Kurkuma, oder?" Lachend erklärt Sabine Streit, dass dies einer der Gründe sei, warum sie sich bei der Tafel engagiere: "Zum einen, weil es Menschen braucht, die etwas für die Allgemeinheit und gegen Lebensmittelverschwendung tun. Aber auch für mich selbst. Es ist kommunikativ und Leute haben sich hier kennengelernt. Gerade während der Coronazeit war das ein wichtiger sozialer Aspekt."

"Wir haben auch eine WhatsApp-Gruppe," wirft Ananda Rupasinghe ein. Dort organisieren sich die 21 Ehrenamtlichen der Ausgabestelle in Schnelsen. Jeden Donnerstag treffen sie sich ab 13 Uhr im Freizeitzentrum. Dann werden die ersten gespendeten Waren kleinerer lokaler Läden abgeholt, darunter zum Beispiel die Bäckerei Stechmann und der Gemüsestand Ibrahim. Größere Lieferungen gespendeter Lebensmittel treffen gegen 13:30 Uhr ein: Sie werden von zwei LKW in mehreren großen Kisten angeliefert. "Heute sind es insgesamt 190 Kisten", so Streit. Die ebenfalls ehrenamtlichen Fahrer holen die Waren vorab von bekannten Supermarktketten ab und bringen sie an ihren jeweiligen Zielort – an fünf Tagen die Woche, zu unterschiedlichen Ausgabestellen der Tafeln: "Wir haben insgesamt vier Wagen und es sind meistens je zwei Fahrer unterwegs. Eigentlich haben wir viel zu wenige Fahrer."

Ab 14 Uhr werden die Lebensmittel thematisch von Milchprodukten, Fleisch, über Obst und Gemüse sortiert. Die Verteilung startet ab 15 Uhr und dauert bis etwa 16:30 Uhr an. Ausgegeben werden die Lebensmittel in einem Rotationssystem: Jede*r Empfänger*in erhält bei der ersten Registrierung eine Nummer, die künftig bei den Abholungen vorgezeigt wird. Dürfen in einer Woche Personen aus der Nummerngruppe 1- 10 als erstes Lebensmittel abholen, haben in der kommenden Woche Menschen aus der Gruppe 11-20 Vorrang, und so weiter. Aktuell sind insgesamt 180 Nummern auf Personen zugeteilt. Jede Person mit einer Berechtigung, etwa bei Empfang von Leistungen oder Renten mit Wohnsitz in Schnelsen oder Niendorf kann so einmal die Woche eine Tasche einreichen, welche von den Ehrenamtlichen mit Lebensmitteln für die Woche gefüllt wird. Der Nachweis über die Berechtigung wird von den Ehrenamtlichen der Ausgabestelle 1- bis 2- mal im Jahr überprüft.

Für 2 Euro pro Abholung werden die Taschen mit Lebensmitteln befüllt. Dabei können die Abholenden auch in einem gewissen Rahmen Wünsche äußern – etwa, ob nur vegetarische oder auch fleischhaltige Waren eingepackt werden sollen. Manchmal befinden sich auch besondere Waren unter den Spenden. – An diesem Donnerstag warten farbenfrohe Tulpensträuße auf eine Abholung. An anderen Tagen findet sich beispielsweise auch Babynahrung unter den Waren. Ausgegeben wird, bis keine Lebensmittel mehr übrig sind. "Und übrig bleibt nie etwas", betont Streit. Dabei nickt eine Ehrenamtliche, die sich zu uns gesellt hat, unterstützend: "Deswegen machen wir das auch. Ich finde es furchtbar, wenn Lebensmittel verschwendet werden."

Die Ausgabestelle in Schnelsen ist angegliedert an die Tafel Norderstedt e. V., nahm erstmals im September 2014 ihren Betrieb auf und wird seither vom Freizeitzentrum Schnelsen in vielen Bereichen unterstützt. "Das Zentrum stellt uns Ehrenamtlichen jeden Donnerstag Kaffee bereit und natürlich den großen Raum, in dem wir die Waren sortieren und verteilen. Das hilft uns unheimlich," betont Sabine Streit. Was neben Dankbarkeit atmosphärisch in der Luft liegt, ist dabei vor allem eins: Lebensfreude. Trotz Masken lässt sich das Lächeln in den Gesichtern der Ehrenamtlichen erahnen. Die Arbeit macht Spaß und etwa einmal im Monat treffen sich die Ehrenamtlichen, um Essen zu gehen und auch neben dem Ehrenamt gemeinsam Zeit zu verbringen.
Dass sich die Menschen gegenseitig schätzen, merken wir vor allem, als wir uns verabschieden und zum Gehen wenden. Aus ein paar Metern Entfernung ertönt die Stimme eines Herren, der zur Lebensmittelabholung ins Freizeitzentrum gekommen ist: "Ich finde es so großartig, was die hier machen. Mir ist es ganz wichtig, das zu sagen und dass auch andere das wissen."

Wer die Tafel unterstützen möchte, kann sich an die Zentrale der Tafel Norderstedt wenden. Benötigt werden vor allem Geld- und Lebensmittelspenden.

Die Kontaktdaten:
Tafel Norderstedt e.V.
Schützenwall 49
22844 Norderstedt
Telefon: 040 5252636

www.tafel-norderstedt.de

Kategorie

Flüchtlingspolitik | Schnelsen

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